Das Projekt "Grenzenlos - Wege zum Nachbarn" hat sich die Aufarbeitung und lebendige Darstellung der Thematik deutsche Teilung und Wiedervereinigung zum Ziel gesetzt. Dazu gehört eine Dokumentation des Zusammenprallens der verschiedenen Staats- und Wirtschaftssysteme ebenso wie auch die Beschreibung der Entwicklung des Zueinanderfindens und Zusammenlebens von Menschen, die für Jahrzehnte von diesen unterschiedlichen Staatssystemen geprägt wurden. Um das zu erreichen, werden erlebbare Zeitdokumente mit historischen und wissenschaftlichen Hintergrundinformationen in geeigneter Weise gemischt werden. Der Blick richtet sich dabei jedoch nicht nur in die Vergangenheit, sondern ebenso auf die Möglichkeiten und Chancen in der Zukunft, aber auch auf die Probleme, die es künftig zu lösen gilt.
Geschichte erleben
Bereits wenige Jahre, nachdem die deutsch-deutsche Grenze ihre Schrecken verloren hat, waren nur noch vereinzelte Reste übriggeblieben, die kaum daran zu erinnern vermögen, welches Leid durch diese Grenze verursacht worden ist. Inzwischen wächst eine Generation heran, die über das Leben mit der innerdeutschen Grenze eines Tages nur aus Büchern oder den Erzählungen der Eltern Wissen beziehen kann. So drohen die Bilder von dieser jahrzehntelang prägenden und Schrecken verursachenden Grenze binnen relativ kurzer Zeit zu verblassen. Aus diesem Grund ist es wichtig, Einrichtungen vor Ort zu erhalten bzw. zu schaffen, die diese Grenze für den Betrachter erlebbar machen. Dazu gehören neben dem Zonengrenzmuseum in Helmstedt das Grenzdenkmal in Hötensleben als Verkörperung des undurchlässigen Teiles der deutsch-deutschen Grenze sowie die Grenzübergangsstelle Marienborn als durchlässiger Grenzbestandteil. Das Denkmal "La Voute des Mains" rundet den anschaulichen Teil des Konzeptes durch die künstlerische Darstellung sich vereinigender Hände ab.
Wissenschaftliche Auseinandersetzung
Teil des Konzeptes sind aber auch die Helmstedter Universitätstage. Anknüpfend an die Helmstedter Universitätstradition werden seit 1995 jeweils zum 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, Helmstedter Universitätstage durchgeführt. Diese beschäftigen sich in wissenschaftlicher Auseinandersetzung nicht nur mit der unterschiedlichen Entwicklung der beiden Staatssysteme und den daraus resultierenden unterschiedlichen Prägungen der darin lebenden Menschen, sondern sie wollen sich insbesondere auch mit dem Blick in die Zukunft auseinandersetzen. Es geht dabei in besonderem Maße um die friedliche Überwindung von Grenzen im tatsächlichen aber auch als Bewußtseinsprozeß in den Köpfen der Menschen. Hieraus ergeben sich gerade für die Zukunft Probleme, die es unter Aufbringung erheblicher Anstrengungen zu lösen gilt. Vorträge, Diskussionen und Gedankenaustausch über alle Fragen des Zusammenwachsens von Ost und West sind deshalb Gegenstand der öffentlichen "Helmstedter Universitätstage". Im alten Hauptgebäude der früheren Universität, dem Juleum, treffen Historiker, Wissenschaftler und Publizisten aus ganz Deutschland zusammen.
|
1.7 M |