Projektinhalt

Grenzen bestimmen unser Leben

Der Verein Grenzenlos – Wege zum Nachbarn e. V. möchte einen Beitrag zur Einheit Deutschlands leisten, denn diese ist noch lange nicht vollzogen worden. Grenzen in den Köpfen der Menschen sind noch immer vorhanden.

Grenzen spielen in unserem Leben eine große Rolle, ohne dass wir uns dessen täglich bewusst werden. Wir stoßen allzu oft an unsere persönlichen Grenzen, grenzen ein-, ab oder -aus. Jedoch bleiben Grenzen, die von Abschottung und Hass geprägt sind, auch zukünftig für die Menschheit ein belastendes Phänomen und sind politisch aktueller denn je.

Die Erfahrung der Überwindung des „Eisernen Vorhangs“ in Deutschland und Europa ist in Helmstedt und Umgebung in besonders eindrucksvollen Zeugnissen präsent.                 

Grenzenlos präsentiert sich Helmstedt seit Ende 1989. Damals rückte die Stadt, die weltweit bekannt wurde wegen des einst vor ihren Toren gelegenen größten europäischen Ost-West-Grenzüberganges, Helmstedt-Marienborn, über Nacht von der innerdeutschen Randlage ins neue Zentrum eines vereinigten grenzenlosen Europas.

Die Auflösung des östlichen Militärbündnisses, des Warschauer Paktes und das Ende der realsozialistischen Staaten Osteuropas sowie der Fall der Mauer und die anschließende Vereinigung der beiden deutschen Staaten im Jahre 1990 markieren nicht nur eine weltgeschichtliche Zäsur, sondern auch eine Wende für all jene Regionen, die entlang des Eisernen Vorhangs in dessen Schatten eine Randexistenz fristeten. Inzwischen ist die Region Helmstedt-Marienborn-Hötensleben das Mekka all derjenigen, die sich für die Geschichte der deutschen Teilung und die Perspektiven des vereinigten Deutschlands interessieren. Denn schon kurze Zeit nach dem Ende des bipolaren Weltsystems riss man allerorten Mauer und Stacheldraht ab. Die steinernen Symbole der „alten Welt“ waren überflüssig und die Menschen waren ihrer überdrüssig. In der Region Helmstedt sind diese stillen Zeitzeugen erhalten worden und wollen heute als Mahnmal oder Ort des Erinnerns verstanden werden.

Die Zielsetzung, nämlich Aufarbeitung und lebendige Darstellung der Thematik Deutsche Teilung und Wiedervereinigung anhand exemplarischer Einrichtungen, wird auf verschiedenen Ebenen realisiert: Die Darstellung historischer Orte oder am originalen Objekt in den verschiedenen Einrichtungen mit der Rundfahrt Grenzenlos und durch die wissenschaftliche Begleitung im Rahmen der Helmstedter Universitätstage. Diese präsentieren der Öffentlichkeit alljährlich die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung. Von dieser wissenschaftlichen Begleitung, die seit 1998 durch das Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam inspiriert und koordiniert wird, profitieren alle Einzelobjekte. Sie erhalten einen aktuellen Überblick über das wissenschaftliche Geschehen und werden so in die Lage versetzt, ihre individuellen Profile zu schärfen, wovon letztlich auch die Besucher profitieren.

Besuchten in den vergangenen Jahren bereits etliche Tausende das ehemalige EXPO Projekt Grenzenlos so ist Ziel, auch in Zukunft mit dem Projekt von regionalem und überregionalem Interesse zu sein.

Zu diesem Zweck ist es notwendig, erlebbare Zeitdokumente mit historischen und wissenschaftlichen Hintergrundinformationen in geeigneter Weise zu mischen und anzubieten. Der Blick richtet sich dabei jedoch nicht nur in die Vergangenheit, sondern ebenso auf die Möglichkeiten und Chancen in der Zukunft, aber auch auf die Probleme, die es künftig zu lösen gilt. Dieses Projekt hat somit auch im internationalen Maßstab seine Bedeutung, da es weltweit vergleichbare Grenzsituationen gibt.

Geschichte erleben

Bereits wenige Jahre, nachdem die deutsch-deutsche Grenze ihre Schrecken verloren hat, waren nur noch vereinzelte Reste übriggeblieben, die kaum daran zu erinnern vermögen, welches Leid durch diese Grenze verursacht worden ist. Inzwischen wächst eine Generation heran, die über das Leben mit der innerdeutschen Grenze eines Tages nur aus Büchern oder den Erzählungen der Eltern Wissen beziehen kann. So drohen die Bilder von dieser jahrzehntelang prägenden und Schrecken verursachenden Grenze binnen relativ kurzer Zeit zu verblassen. Aus diesem Grund ist es wichtig, Einrichtungen vor Ort zu erhalten bzw. zu schaffen, die diese Grenze für den Betrachter erlebbar machen. Dazu gehören neben dem Zonengrenzmuseum in Helmstedt das Grenzdenkmal in Hötensleben als Verkörperung des undurchlässigen Teiles der deutsch-deutschen Grenze sowie die Grenzübergangsstelle Marienborn als durchlässiger Grenzbestandteil. Das Denkmal "La Voute des Mains" rundet den anschaulichen Teil des Konzeptes durch die künstlerische Darstellung sich vereinigender Hände ab.

Broschüre Grenzenlos
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