Sonderveranstaltungen - Nachlese 2011

Herr Bürgermeister Eisermann in seiner Funktion als Vorsitzender des Vereins Grenzenlos – Wege zum Nachbarn e. V. begrüßte den neuen Leiter der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn und stellte Sascha Möbius dem Publikum vor. Der Vereinsvorsitzende bekräftigte die Zusammenarbeit zwischen dem Verein Grenzenlos und der Gedenkstätte in Marienborn. Sascha Möbius hielt einen Vortrag zu dem Thema „Grenzen überwinden – die Opposition in den kommunistischen Diktaturen und der Westen“. In seinen Ausführungen bezog er sich dabei im Wesentlichen auf die Gewerkschaft Solidarnosc. Möbius resümierte: „Solidarnosc war das Maximum dessen, was in einem Land des Ostblocks zu erreichen war. Sie vereinigte in sich die Arbeiterbewegung, die katholische Kirche und die Widerstandstradition Polens".

Der Leiter der Außenstelle der BStU Magdburg, Jörg Stoye, hat einen Überblick über die Entwicklungsphasen des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit gegeben. Am Beispiel von Dokumenten der Magdeburger Bezirksverwaltung wurden zudem wesentliche Aufgabenfelder der Stasi deutlich. Aufgezeigt wurden auch die daraus resultierenden Folgen für den Alltag in der ehemaligen DDR und das Schicksal Einzelner. Daneben ging es um die Aufgaben und Möglichkeiten der heutigen Stasi-Unterlagen-Behörde.

Herr Dr. Hans-Hermann Hertle informierte sehr detailliert über den Bau der Berliner Mauer. Der Vortrag wurde in 5 Fragenkomplexe gegliedert: Welche Ziele verfolgte die DDR/Sowjetunion in der Berlin Krise? Wann wurde die Entscheidung zum Mauerbau getroffen? Wusste der Westen, dass die Mauer gebaut werden sollte? Warum reagierte der Westen nicht mit Gegenmaßnahmen? Hat die Mauer der Stabilität der DDR oder deren Ende gedient? Im Anschluss an den Vortrag schloss sich eine rege Diskussion mit den teilnehmenden Gästen an. Herr Dr. Hertle verfügt über ein großes Wissen und hat die Geschehnisse des 12./13.8.1961 genau recherchiert.

Herr Professor Hahn hielt im gut besetzten Juleum einen Vortrag über die Automobilindustrie und die Wiedervereinigung. Dabei schlug er einen geschichtlichen Bogen von den 1930er Jahren bis in unsere Zeit mit den großen wirtschaftlichen Problemen, die leider in Europa momentan herrschen. Herr Prof. Hahn resümierte: "Wir konnten feststellen, dass wir trotz einer 40 Jahre währenden Teilung, der Existenz zweier grundverschiedener Systeme und aller Unterschiede, die einen Bayern von einem Norddeutschen oder einen Sachsen von einem Würtemberger trennen, wir letzten Endes doch alle Deutsche geblieben waren". 

Zum Jahresausklang hielt Herr Prof. Dr. h.c. Biegel und Frau Dr. Klein einen Vortrag, der sich unmittelbar mit der Situation der Grenzschließung in unserer Region vor 50 Jahren beschäftigte. Damit wurde bewusst nicht auf die Auswirkungen in Berlin eingegangen. Unsere Region war unmittelbar von den Ereignissen 1961 in Berlin betroffen. Auch vor unserer Haustür wurde eine menschenunwürdige Grenze errichtet. Familiäre, wirtschaftliche und kulturelle Verbindungen wurden zerschnitten. Wir bekamen zu spüren, was es hieß an und mit der Zonengrenze leben zu müssen.

 

Nachlese 2012

Mit der zwiespältigen Lebensgeschichte von Bruno Sattler, der als Opfer der DDR-Justiz galt, beschäftigt sich eine Veranstaltung. Der Film "Der gute Vater - eine Tochter klagt an" mit anschließender Diskussion wird präsentiert.

Auf der Suche nach der Wahrheit über ihren Vater muss Beate Niemann erkennen, dass dieser nicht Opfer, sondern Täter war. Als Gestapo-Chef in Belgrad organisierte er den Mord an Juden und die Verschleppung von Zivilisten zur Zwangsarbeit. Nach dem Krieg kehrte er unter falschem Namen nach West-Berlin zurück. Die persönliche Feindschaft zwischen Sattler und Mielke führte zur Verhaftung durch die Stasi. Bruno Sattler galt als verschollen bis seine Familie zufällig von seiner Verurteilung als Kriegsverbrecher erfuhr.

Mit diesem Film ist dem Regisseur Yosh Tatari, mehrfacher Grimme-Preisträger, und der Autorin Beate Niemann, Tochter Sattlers, eine packende Dokumentation gelungen, die in eindrucksvoller Weise auf die zwei Gesichter Sattlers eingeht und widerspiegelt, wie schmerzlich die Verarbeitung einer eigenen Familiengeschichte ist.

Nach dem Film möchten Regisseur und Autorin mit dem Publikums ins Gespräch kommen.