"Die Frauen von Hoheneck - Stasi und Strafvollzug"

Der Verein Grenzenlos – Wege zum Nachbarn e.V. hatte in Kooperation mit der Friedrich-Naumann-Stiftung aus Hannover die Veranstaltung „Die Frauen von Hoheneck – Stasi und Strafvollzug“ initiiert.

Die Redner der Grußworte brachten es alle auf den gleichen Nenner: Demokratie sollte gelebt und vorgelebt werden und bedarf in der Gesellschaft Projekte und Initiativen, die sich dafür einsetzen.

In seinem Impulsvortrag erläuterte der Historiker Sebastian Lindner die Haftbedingung in der ehemaligen DDR und den Einfluss der Stasi. Hoheneck wurde 1952 zum zentralen Frauengefängnis der DDR erklärt. Der politische Strafvollzug war ein wichtiges Instrument der SED-Diktatur zur Sicherung ihres Machtanspruches. DDR-Gegner sollten auf diese Weise systematisch entfernt, eingeschüchtert und verwahrt werden. Um den Einfluss der politischen Häftlinge auf die restlichen Inhaftierten zu unterbinden, spann die Stasi ein dichtes Netz unter den Häftlingen und auch unter den Vollzugsbeamten. Jeder bespitzelte seinen Nächsten. Um sogar die letzten Informationen aus den Häftlingen heraus zu kitzeln, waren sogar der seelsorgerlich tätige Pfarrer und der zum Stillschweigen verpflichtet Anstaltsarzt als IM eingesetzt.

Ein Kurzfilm mit dem bezeichnenden Namen „Kaputt“ erzählte von den Haftbedingungen auf Hoheneck. Nach dem Kurzfilm herrscht betretene Stille unter den Besuchern.

Die beiden Zeitzeuginnen Rosl Werl und Gabriele Stötzer erzählten in der Podiumsdiskussion ihre ganz eigenen persönlichen Schicksale. Frau Werl wurde verurteilt, weil sie mehrfach einen Ausreiseantrag gestellt hatte, um ihre Urlaubsliebe aus Westdeutschland zu heiraten. Sie wurde unter dem Vorwand landesverräterischer Agententätigkeit zu 2 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt. Frau Werl beschrieb ihre Haft als eine Erfahrung, die auch heute noch ihr Leben prägt. Gabriele Stötzer hat sich 1976 an einer Unterschriftensammlung Berliner Künstler gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann beteiligt. Da sie als erste auf der Liste unterschrieb, wurde ihr Rädelsführerschaft vorgeworfen. Wegen Staatsverleumdung wurde sie angeklagt und zu einem Jahr Haft verurteilt. Ihre Haftierung wird für sie zum Katalysator, sich ihren Traum vom Künstlerleben im realen Leben zu erfüllen.

Beide Zeitzeuginnen haben sich nicht durch die unmenschlichen Haftbedingungen  im ehemaligen Frauengefängnis Hoheneck brechen lassen. Sie haben Ungerechtigkeiten angeprangert und wussten stets, welche Konsequenzen ihnen daraus drohten. Doch hat Hoheneck viele Narben in ihrem Leben hinterlassen.