Das Grenzdenkmal Hötensleben ist einer der eindrucksvollsten und authentischsten Orte, der an die deutsche Teilung erinnert, und wichtiger Bestandteil der Rundfahrt Grenzenlos. Seine besondere Bedeutung beruht nicht allein auf dem Erhalt der Grenzanlagen, sondern auf ihrem Zusammenhang mit der sie umgebenden Landschaft. Nun plant das Unternehmen TenneT eine Stromtrasse, die den einzigartigen Erinnerungsort in seiner Wirkung und Aussagekraft zu beeinträchtigen droht. Die Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn, zu der das Grenzdenkmal gehört, und der Grenzdenkmalverein Hötensleben fordern, einen anderen Trassenverlauf zu prüfen, der das Grenzdenkmal Hötensleben und seine historische Umgebung nicht beeinträchtigt.
Das Grenzdenkmal Hötensleben macht die Dimension der deutschen Teilung bis heute unmittelbar erfahrbar. Auf einer Länge von rund 350 Metern sind die Grenzsperranlagen der DDR mit Betonmauer, Beobachtungstürmen, Kontrollstreifen und weiteren Sperrelementen nahezu vollständig erhalten. Sie stehen nicht isoliert in einem Museum, sondern sind in die Landschaft eingebettet, die einst selbst Teil der innerdeutschen Grenze war.
Gerade das Zusammenspiel von Grenzanlagen und Landschaft macht Hötensleben zu einem einzigartigen Erinnerungsort. Das Grenzdenkmal steht seit 1990 unter Denkmalschutz und gehört zum Nationalen Naturmonument Grünes Band. Es trägt das Europäische Kulturerbesiegel und ist Teil der aktuellen Bemühungen um ein gemischtes UNESCO-Welterbe.
Nach den vorliegenden Planungsunterlagen ist im Bereich Hötensleben eine Trassenachse vorgesehen, die das Grenzdenkmal und das Grüne Band berührt. Die Unterlagen von TenneT zeigen zugleich, dass die besondere Sensibilität dieses Bereichs in der Planung berücksichtigt wird: Als Planungsprämissen werden unter anderem genannt, Maststandorte im Grünen Band und am Grenzdenkmal möglichst zu vermeiden sowie Überspannungen des Grenzdenkmals und des Grünen Bandes gering zu halten.
Die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt mit der Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn und der Grenzdenkmalverein Hötensleben stellen die Notwendigkeit des Netzausbaus nicht grundsätzlich infrage. Es geht darum, für einen einzigartigen historischen und naturräumlichen Ort eine verantwortbare Lösung zu finden. “Eine Hochspannungsleitung würde hier nicht lediglich das Erscheinungsbild eines einzelnen Denkmals verändern. Sie würde in einen historischen Landschaftsraum eingreifen, dessen besondere Qualität gerade darin besteht, dass die Dimensionen der ehemaligen Grenze noch heute unmittelbar sichtbar und nachvollziehbar sind”, sagt die Leiterin der Gedenkstätte Marienborn, Dr. Susan Frisch.
Die vorliegenden Unterlagen zeigen, dass unterschiedliche Trassenvarianten und Planungsoptionen geprüft werden. Die Verantwortlichen in Magdeburg, Marienborn und Hötensleben sind davon überzeugt, dass der Schutz des Grenzdenkmals und der notwendige Ausbau der Stromnetze miteinander vereinbar sind. “Gerade an einem Ort von herausragender nationaler und europäischer Bedeutung sollte deshalb nach einer Lösung gesucht werden, die eine Überspannung des Grenzdenkmals vermeidet”, so Dr. Frisch.
Auch dem Verein Grenzenlos ist es ein Anliegen, dass die besondere Qualität des Denkmals und die eindrückliche Erlebbarkeit der deutschen Teilung auf dem Areal insbesondere für die Nacherlebnisgenerationen erhalten bleibt. Deshalb unterstützt der Verein die Forderung nach einer ernsthaften Überprüfung eines alternativen Trassenverlaufs. Es geht darum, für diesen einzigartigen Erinnerungsort eine Lösung zu finden, die seine historische Bedeutung, seine Einbettung in das Grüne Band und seine europäische Bedeutung wahrt.
In einem Fernsehbeitrag des MDR machten Dr. Susan Frisch und der Vorsitzende des Denkmalvereins Hötensleben, René Müller, gemeinsam auf die Pläne aufmerksam und verdeutlichten durch eine Visualisierung die Ausmaße der drohenden Veränderung am Grenzdenkmal Hötensleben. Der Beitrag kann hier angesehen werden.